NEWS / 15.09.2026
Ganzjahresreifentest: TCS rät von fünf Modellen ab
Posted by: Isabelle Riederer
Ganzjahresreifen gewinnen an Beliebtheit, vor allem in städtischen Gebieten, in denen Schnee selten ist. Auch in der Schweiz steigen ihre Verkaufszahlen. Ihr Hauptvorteil besteht darin, dass sie das ganze Jahr über verwendet werden können, ohne dass zwischen Sommer- und Winterreifen gewechselt werden muss. Diese Vielseitigkeit stellt jedoch auch eine Herausforderung dar: Sie müssen sich sowohl mit Reifen messen, die auf Sommer- als auch auf Winterbedingungen spezialisiert sind. Die in diesem Jahr getestete Reifengrösse 185/65 R15 88H wird insbesondere bei Kleinwagen wie dem Opel Adam, dem Peugeot 208, dem Seat Ibiza, dem VW Polo, dem Mazda 2, dem Citroën C3 oder dem Alfa Romeo MiTo verbaut.
Seit 2023 bewertet der TCS Reifen anhand von zwei Kriterien: Fahrsicherheit, die 70 Prozent der Gesamtnote ausmacht, und Umweltverträglichkeit, die 30 Prozent ausmacht. Insgesamt werden 19 Kriterien berücksichtigt. Die Sicherheit wird auf trockener und nasser Fahrbahn sowie unter winterlichen Bedingungen auf Schnee und Eis bewertet. Die Tests werden sowohl bei hohen Asphalttemperaturen als auch bei Temperaturen um den Gefrierpunkt durchgeführt. Die Umweltverträglichkeit umfasst insbesondere die Laufleistung, den Abrieb, den Treibstoffverbrauch, das Gewicht, die Geräuschentwicklung und die Nachhaltigkeit.
Von den 16 getesteten Modellen erhält nur der Continental AllSeasonContact 2 die Bewertung «sehr empfehlenswert». Sieben Reifen werden als «empfehlenswert», drei als „bedingt empfehlenswert“ und fünf als «nicht empfehlenswert» eingestuft. Der Pirelli Cinturato All Season SF 3 und der Michelin CrossClimate 2 verfehlen die beste Bewertung knapp, aufgrund von Schwächen unter winterlichen Bedingungen bzw. auf nasser Fahrbahn. Beide erzielen hingegen gute Ergebnisse hinsichtlich der Umweltbelastung, wobei der Michelin in diesem Bereich sogar die beste Note des Tests erhält.
Mit etwas Abstand folgen der Vredestein Quatrac, der Hankook Kinergy 4S 2, der Goodyear Vector 4Seasons Gen-3, der Nokian Tyres Seasonproof 2 und der GT Radial Climateactive. Alle weisen auf mindestens einer Fahrbahnart leichte Schwächen auf, können aber je nach Fahrprofil eine Alternative darstellen. Demgegenüber rät der TCS vom Norauto 4 Seasons 2, dem Bridgestone Weather Control A005 Evo, dem Mastersteel All Weather 2, dem Roadhog RGAS02 und dem Tomason Allseason ab, insbesondere aufgrund ihrer sehr schwachen Leistungen auf winterlichen Fahrbahnen.
Gleichzeitig scheint die getestete Reifengrösse – die zwar relativ klein, auf dem Markt jedoch von Bedeutung ist – nicht für alle Hersteller eine Priorität darzustellen. Mehrere Reifen hatten zudem bei früheren Tests oder in grösseren Grössen bessere Ergebnisse erzielt. Die Ergebnisse zeigen somit, dass die Leistung je nach getesteter Reifengrösse erheblich variieren kann.
Die Bremsmessungen zeigen deutliche Unterschiede. Auf trockener Fahrbahn bei 100 km/h kommt der Mastersteel All Weather 2 nach 39,5 Metern zum Stehen, der Dunlop All Season 2 hingegen erst nach 45 Metern. Wenn das erste Fahrzeug bereits zum Stillstand gekommen ist, fährt das mit den Dunlop-Reifen ausgestattete Fahrzeug noch mit etwa 35 km/h.
Auf nasser Fahrbahn bei 80 km/h kommt der Nokian Tyres Seasonproof 2 nach 32,4 Metern zum Stehen, der Tomason Allseason hingegen erst nach 38,3 Metern. Wenn das erste Fahrzeug zum Stillstand gekommen ist, fährt das mit den Tomason-Reifen ausgestattete Fahrzeug noch mit etwa 31 km/h. Auf Schnee bei 30 km/h beträgt der Abstand zwischen dem besten und dem schlechtesten Modell 1,6 Meter.
Auch beim Aquaplaning sind die Unterschiede erheblich. Bei einer Wasserhöhe von 8 mm verliert der Nokian Tyres Seasonproof 2 bei 91,9 km/h den Kontakt zur Fahrbahn, der Roadhog RGAS02 hingegen bereits bei 74,7 km/h – das entspricht einer Differenz von mehr als 17 km/h. Auch die voraussichtliche Laufleistung variiert erheblich: Der Norauto 4 Seasons 2 erreicht 46’000 Kilometer, der Milever All Season Versat MC545 hingegen nur 32’400 Kilometer – das entspricht einer Differenz von etwa 13’600 Kilometern.
Die Wahl eines Ganzjahresreifens muss in erster Linie zum eigenen Fahrprofil passen. Für Autofahrer, die viel auf der Autobahn, bei hohen Temperaturen oder mit einem stark beladenen Fahrzeug in die Skiferien unterwegs sind, sind spezielle Sommer- und Winterreifen in der Regel nach wie vor die beste Wahl. Für diejenigen, die wenige Kilometer fahren, hauptsächlich in städtischen Gebieten unterwegs sind und auch mal bei schwierigen Verhältnissen den Öffentlichen Verkehr nutzen können, stellen bestimmte Ganzjahresreifen hingegen eine geeignete Alternative dar. (pd/ir)